Leseprobe: Die Seele des Alchemisten

Im Kern der Seele wohnt die Gier
Im Kern der Seele wohnt die Gier…

Auszug aus dem neuen Fantasy-Roman „Die Seele des Alchemisten“

Der Mann, der sich Ardak nannte, wischte sich mit der Hand über das Gesicht. Sein geknotetes Kopftuch war vom Schweiß vollkommen durchnäßt. Kleine Bäche liefen ihm über die Wangen und tropften von seiner Nase. Etwas fühlte sich merkwürdig an. Ein Schatten fiel auf Ardaks Gesicht und er blickte auf. Direkt vor ihm stand Tanameuu, der erste Maat. Er stammte von einer der Regeninseln, hatte eine dunkle Hautfarbe und war berüchtigt für sein feuriges Temperament. Jetzt schien der schmale, drahtige Seemann schlechte Laune zu haben. Wütend funkelte er Ardak an.
„Du sollst hier nicht auf der faulen Haut liegen! Los, schrubb weiter. Das Deck ist immer noch nicht sauber und ich brauche dich später im Laderaum. Ratten jagen.“
Tanameuu warf ihm noch einen finsteren Blick zu und ging dann weiter. Ardak kümmerte es nicht. Er mochte Ratten. Es gab wirklich viele der kleinen Viecher hier auf dem Schiff, aber an den Orten, an denen er sich an Land herumtrieb, gab es auch genug der quiekenden Nager. Sie zu fangen war nicht leicht, aber die Arbeiten hier auf dem Schiff waren ohnehin nicht von Bedeutung.

Alles, was er hier tat, diente im Grunde nur dazu, die Langeweile zu vertreiben. Seine eigentliche Aufgabe war eine andere. Ardak dachte an das kleine Bündel, das gut versteckt in einem Hohlraum im Unterdeck lag. Sein Herr hatte ihm das Kleinod mitgegeben, damit er es an Bord nutzte, und er würde ihn nicht enttäuschen.

„Hey du“, erklang unvermittelt die Stimme einer Frau in seiner Nähe. Der kräftige Mann schaute hoch. Ein paar Meter von ihm entfernt stand die junge Frau, die hier an Bord als Passagierin reiste. Ihr Name war Eleondra Colvert und sie roch gut, fand Ardak. Sie blickte ihn stirnrunzelnd an. „Haben wir uns irgendwo schon mal gesehen?“ Der Mann zuckte mit den Schultern und kratzte sich am Kinn. Sein Gesicht juckte.
„Irgendwie kommst du mir bekannt vor. Du bist in Rasgajin an Bord gegangen, richtig?“ Ardak nickte langsam. Er war ihr aufgefallen. Das war nicht gut. Ardak wollte nicht auffallen. Aber er blieb ruhig. Das Jucken in seinem Gesicht wurde stärker.
„Hmm, wahrscheinlich irre ich mich“, sagte die Frau, warf ihm noch einen letzten, fragenden Blick zu und wandte sich zum Gehen. Der Mann war froh, dass sie ihn nicht erkannt hatte. Dann hätte er sie umbringen müssen und das wäre hier an Bord des Schiffes nicht einfach geworden. Aber es war sehr unwahrscheinlich, dass irgendjemand ihn erkennen würde.

Denn der Mann, der sich Ardak nannte, trug ein Gesicht, das nicht sein eigenes war.

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