Die 47 Ronin – John Allyn

Japan im Wandel zu Beginn des 18. Jahrhunderts

Tragischer und dramatischer kann eine Geschichte kaum erzählt werden, als das klassische Meisterwerk über die 47 Ronin (Originaltitel: The 47 Ronin Story). Um Verwirrungen gleich vorzubeugen: der sicherlich bildgewaltige, aber ansonsten unsagbar schlechte Film neueren Datums mit Keanu Reeves, hat so gut wie nichts mit der Erzählung zu tun.

Die 47 Ronin ist ein historischer Roman und spielt im feudalen Japan des 18. Jahrhundert. Das Land ist in Aufruhr. Am Hof des Shogun herrscht Korruption und Vetternwirtschaft und vor allem in den Städten, versuchen reichgewordene Händler die engen Restriktionen der rigiden Gesellschaft abzuschütteln. Aus Sicht der elitären Kriegerklasse, der Samurai, sind Händler nicht mehr als einfache Bauern, die es zufällig zu Geld gebracht haben. Gelderwerb an sich, galt für Samurai als unter ihrer Würde. Man kümmerte sich nicht darum. So gelingt es der Bürgerschicht mehr und mehr die Samurai in den Hintergrund zu drängen.

Ein Drama um Loyalität und Pflichterfüllung

Unzufrieden mit dem Verlust ihrer Würde und ihres ehrenvollen Status, stehen die Samurai im ganzen Land unter großen Druck. Frustriert durch den Verfall der Sitten und nach vielen Provokationen, attackiert der Edelmann Asano von Ako einen bestechlichen Beamten am kaiserlichen Hof. Als er für dieses Vergehen bestraft werden soll, beschließen seine treuesten Gefolgsleute, dieses Unrecht nicht länger hinzunehmen. Sie wollen Rache. Aus den ehrenvollen Samurai, werden im Laufe der Erzählung die 47 Ronin, gesetzlose Krieger.

Der Roman zeigt auf eindringliche, bisweilen dabei fast nüchterne Weise, die Lebens- und Denkensweise der adeligen Oberschicht, zum Ende der japanischen Feudalzeit. Dabei gelingt es dem Autor die Charaktere trotz der klaren Ausrichtung und des ehernen Pflichtbewusstseins vielschichtig zu zeichnen. Auch für einen im Bushido, dem Kodex der Krieger, geschulten Samurai, war die Entscheidung ob richtig oder falsch, alles andere als eine leichte. Sehr lesenswert, nicht nur für Japan-Fans.

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