A Song of Ice and Fire – George R. R. Martin

Game of Thrones – Ein Kampf um den Thron, ohne Regeln

Ich glaube vorzustellen braucht man das epochale Werk von George R. R. Martin nicht groß: die sozialen Netzwerke, das Internet allgemein und auch die Buchläden sind voll davon. Mittlerweile wird alles verkauft, mit dem sich noch Geld machen lässt, bevor der nächste Band der Reihe endlich irgendwann in den Läden steht: Kochbücher aus Westeros, Landkarten, Zeichnungen usw. Mit der eigentlichen Geschichte haben diese Auswüchse des Marketings natürlich wenig zu tun.

Martin erschafft eine Welt, die, obwohl eindeutig ein Fantasy-Setting, sehr realistisch wirkt, was die Beziehungen der einzelnen Häuser und Familien angeht. So ähnlich mag es wohl auch im wirklichen Mittelalter gewesen sein, wenn es um Königswürden, um Macht und Verrat ging. Der Kontinent Westeros, auf dem die Handlung schwerpunktmäßig spielt, ist Schauplatz eines erbitterten Thronfolgekrieges verschiedener adeliger Dynastien. In diesem Konflikt ist den Parteien nichts heilig. Kein Recht, kein Brauch, der nicht den Zielen geopfert werden kann. Selbstredend gilt das ebenso für die beschriebenen Romanfiguren.

Es stirbt sich leicht

Mit welcher Leichtigkeit und teilweise großer Distanziertheit, der Autor etablierte und bedeutsame Charaktere sterben lässt, hat wohl schon manchen Leser überrascht. Warum ausgerechnet diesen, möchte man George R. R. Martin erbost fragen? Aber, wenn sich der Ärger über den Tod eines Lieblings gelegt hat, muss fast jeder eingestehen, dass gerade diese Unberechenbarkeit den Romanen einen besonderen Reiz verleiht. Martin beschriebt seine Charaktere stets in einem moralischen Konflikt. Keiner der Protagonisten ist frei von Zweifeln oder Ängsten. Viele kämpfen mehr mit der eigenen Psyche, als mit ihren Gegnern.

Die Bücher sind hervorragend geschrieben, wobei die Vielzahl an handelnden Figuren und die diversen Stränge der Geschichte, einen genauen Überblick über den Plot schwierig machen. Steht der Thronfolgekrieg wirklich im Mittelpunkt oder ist es doch eher ein uralter Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen den Kräften des Winters und denen des Feuers? Solche Fragen lässt der Autor weitgehend offen und tut dies schon seit fünf, bzw. im deutschen seit zehn, Bänden. Eine abschließende Antwort steht nicht in näherer Zeit ins Haus, denn auch für 2015 ist der nächste Band noch nicht angekündigt. Insgesamt soll es sieben Bände geben, zwei würden demnach noch ausstehen, um alle Fragen endlich zu beantworten. Ich jedenfalls warte händeringend. Ein Westeros Kochbuch hilft mir da nur wenig.

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